Zugspitzbesteigung über den Stopselzieher – Der kürzeste Weg auf Deutschlands höchsten Berg
Der Wecker klingelt mitten in der Nacht. Um 04:30 Uhr beginnt die Tour am Parkplatz der Tiroler Zugspitzbahn in Ehrwald. Während die ersten Schritte noch im Licht der Stirnlampe erfolgen, liegt das Wettersteingebirge ruhig und dunkel vor einem. Die frische Morgenluft und die Stille machen schnell klar: Heute wartet eine echte alpine Herausforderung.
Der Steig führt zunächst über breite Wege und später zunehmend steiler durch das Gamskar. Mit den ersten Sonnenstrahlen färben sich die Felswände der Zugspitze und eröffnen beeindruckende Ausblicke auf das Ehrwalder Becken. Der Anstieg fordert bereits früh Kondition.
Nach rund zweieinhalb Stunden ist die Wiener-Neustädter-Hütte (2.209 m) erreicht – der ideale Ort für eine kurze Pause, bevor der anspruchsvollste Abschnitt beginnt. Hinter der Hütte wird das Gelände deutlich alpiner. Über Schuttfelder steigt der Weg ins Schneekar an, bis schließlich der Einstieg in den Stopselzieher-Klettersteig erreicht wird.
Der Stopselzieher gilt als leichter Klettersteig der Schwierigkeit A/B, verlangt aber absolute Trittsicherheit, Schwindelfreiheit und sicheres Gehen im ausgesetzten Gelände. Stahlseile, Eisenbügel und die markante, natürlich ausgewaschene Felsrinne – der eigentliche „Stopselzieher“ – machen diesen Abschnitt zu einem der spektakulärsten Zugänge auf die Zugspitze. Mit jedem Höhenmeter werden die Ausblicke weiter, bis schließlich der Grat erreicht ist.
Von dort sind es noch ca. 20 Minuten bis zum Gipfel der Zugspitze (2.962 m). Nach rund 1.750 Höhenmetern steht man auf Deutschlands höchstem Berg. Der Blick reicht über das gesamte Wettersteingebirge, die Mieminger Kette, die Lechtaler Alpen und bei guter Fernsicht weit bis in die Zentralalpen.
Die Route über den Stopselzieher ist der kürzeste und direkteste Aufstieg auf die Zugspitze, sollte aber keinesfalls unterschätzt werden. Der lange Anstieg, das steile Schrofengelände und der Klettersteig mit oftmals glatten und speckigen Felsen und immer wieder losen Sicherungen, erfordern gute Kondition, alpine Erfahrung sowie stabiles Wetter. Wer diese Voraussetzungen mitbringt, erlebt eine abwechslungsreiche und eindrucksvolle Tour, die deutlich ruhiger ist als der klassische Aufstieg durch das Höllental.
